Morgenstund hat Gold im Mund

 

Klingende Winde ergreifen den Morgen,
spielerisch wirbeln sie Wolkengestalten,
halten dahinter die Sonne verborgen,
sehnend aus Hülsen sich Blüten entfalten.

Frisch ist die Luft und erweckt so das Leben,
schwindende Nächte befreien Gedanken,
Düfte verlocken zu freudigem Streben,
neue Gewächse vermögen zu ranken.

Tränkender Tau spiegelt lachend die Mauer,
plötzlich erwach' ich, es liegt auf der Hand:
Schwarz ist im Werden, Dein Tod ist von Dauer,
Trugbild am Morgen, das endlich verschwand.

 

 

Der letzte Schritt

 

Den letzten Schritt, ich werd' ihn heute wagen
und steig hinab in modrig feuchte Grüfte,
kein Arm umfaßt jetzt führend meine Hüfte,
in Einsamkeit will ich der Welt entsagen.

Noch einmal träume ich von alten Tagen:
Wie lockten mich die frühlingsfrischen Düfte,
des Sommers Sonne, herbstlich kalte Lüfte,
auch dunkle Winter hab ich gern ertragen.

Zur Nachtmusik zertanzte ich oft Schuhe,
der Takt der Zeit erfüllte mich mit Leben,
jetzt bin ich müde, sehne mich nach Ruhe.

Ich habe viel von dieser Welt gesehen,
und nahm nicht nur, ich suchte auch zu geben,
nun laßt mich still und friedvoll heute gehen.

 

 

Lockendes Licht

 

Fröstelnd treiben Gedanken,
heute,
nur ganz kurz schmeckt es schal.

Trübheit lege ich nieder,
zögernd,
weil ein Schleier verbleibt.

Seltsam will es mir scheinen,
schändlich,
dass mein Atem noch reicht.

Steine pflastern Dein Grab,
ewig,
nur ein Grashalm ringt sich in's Licht.

 

 

Feuerwerksstunden

 

Ein Lichterspielprassel erhellt heut Gesichter,
verzaubert die Augen beim Anblick der Pracht
und Sternenraketen erhellen die Nacht,
verscheuchen die Sorgen, die Stimmung wird lichter.

Dann plötzlich ein Kreischen und Stimmen die weinen,
ein Unfall passierte und riss in den Tod,
der Frohsinn zerstob und zurück blieb die Not,
ich seh' mit Entsetzen das Blut auf den Steinen.

 

 

 

Der Tag

 

Verweigert verdrängter Tag,
nun bist Du da.
Ganz leise nur atmen,
vielleicht kann ich's verleugnen,
nicht Abschied nehmen?
Die Augen aufschlag.

So gleißend blendendes Licht,
Sonne! Nicht trüb!
Die Hände erheben,
vielleicht kann ich's vertreiben,
nur Wolken tränen?
Der Himmel azur.

Du liebster mich liebender Mann,
warum bist Du fort?
Fest an mich ziehen,
vielleicht kann ich Dich halten
und Wunder leben?
Dein erdiger Sarg.

 

 

Versprechen

 

Gehüllt in zerrissene Seide,
zu spärlich, um Blicken zu wehren,
wie Laub im Oktober am Zweige,
kein Frühling scheint wieder zu kehren.

Mein Moment dieser goldenen Liebe
ist verweht, wie die Blätter im Wind.
Dass ich meine Trauer besiege
verpreche ich Dir und dem Kind.

Behütet soll es in mir reifen,
später zeigt es Dein Haar mir im Licht;
dass Du starbst werd' ich niemals begreifen,
um Dein Kind aber sorge Dich nicht

 

 

Nachhorchen und Trauer teilen

 

Langsam, doch stetig geduldig
hast Du mich gelehrt,
dem Wachsen des Baumes zu lauschen.

Mühsam, doch emsig begierig
hab' ich es gelernt,
begreife den Sinn in dem Rauschen.

Einsam, doch leise erzählend
liegt er nun gefällt,
wie traurige Blicke wir tauschen.

 

 

Freitod

 

Ein Wispern von Wellen haucht sanft durch die Nacht,
das Tränenmeer ist schon so nah meinem Ohr.
Sein salziger Nebel steigt dräuend empor,
vertreibt letzte Hoffnung und Kummer erwacht.

Vergessenes Sehnen erfüllt mich mit Pein,
den Blütenstaubfrühling erinner ich nicht.
Ich suche verzweifelt nach Deinem Gesicht
und ritz in die Herzhaut mir Wunden hinein.

Es schimmert das Wasser, benetzt meine Haut,
als trachte es lindernde Sintflut zu sein.
Vom Grunde der Tränen lockt höllischer Schein,
ertrinkend in ihnen wird er mir vertraut.

 

 

Meer-Haiku

 

Fliehende Netze
peitschen wütende Wellen.
Ein Donnerschlag grollt.

Winzige Boote
treiben mutig die Brecher.
Die Gischt bäumt sich auf.

Kühner Matrose
wurde Opfer der Fluten.
Das Wetterleuchten.

Trauernde Witwe
trägt nun bunte Gewänder.
Der Herbst zog in's Land.




 

 

 

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