Abendhelle Schattenbrise

 

Schenke mir die Schattenbrise,
hülle mich in Sehnsucht ein,
fahre schüchtern durch die Falten,
lass den Rostton Glanz behalten,
fühle mich und ebendiese
sanfte Glut im Mondenschein.

Tränke meine Trostgelüste,
schmeichel meinem Trauerkleid,
siehe Kraft in Farben fließen,
lass das Licht sich schwarz ergießen,
Silber glänzend zeigt die Küste
heute die Vergangenheit.

Webe mir in weichen Wellen
wärmend die Erinnerung,
stürze mutig in die Zeiten,
hole Luft und lass Dich gleiten,
drängen doch die abendhellen
Stunden Dich bald von mir fort.

 

 

Ich habe Schwarz im Blau vertupft

 

Ich habe Wut in's Blau getupft
und alle Farben übermalt
-
Ich ginge jetzt,
wenn ich noch gehen könnte,
doch kann ich's nicht und
stehe starr:
In's Blau getupftes Schwarz bin ich?

Kein Wunder will das Lila prellen,
kein Pinsel kennt ein Rot!
-
Nur Schwarz - in's Blau vertupft -
erklimmt den Abgrund im Zenit.
Ein Kletterwald im wüsten Sand
- willst Du mir folgen?

Schau: Grünes Licht, schau Schattenland!
Schau was es war im Morgengelb:
Im Dämmerlicht entstand einst Strand!
Und nun ist alles übermalt?

Ein Schwarz in's Blau vertupfte ich -
mich selbst entstellend,
verzweifelt Wunderlichter zündend

und werde nun

den starren Ästen folgend
verglimmen in dem Schein
der mich beschwor:

"Vertupfe Schwarz im Blau"
so sang es mir, so flüsterte
das Gestern und versprach mir sinnend
neue Farbenpracht?

Das Schwarz, das ist mein Treu.
Ein Schattenlicht erlischt.

 

 

April

 

Es war einmal April in einem Jahr,

das den Regen nicht kannte.

 

Es gab Asphalt und Gras, und doch auch Licht.

 

Auch Blätter gab es noch, die nicht

zerrieben waren

im Maiwind.

Es gab das Fenster.

 

Es war April in einem Jahr, als hätte es noch nie April gegeben. Und jedes Jahr danach, und jeder Maiwind später, und jeder Fensterblick seitdem

 

erzählt April.

 

 

Halsbandgedanken

 

Im Zweifelgang des Sinnens fand ich Wahrheit,
erklärte sie in Furcht vor ihr zum Wahn,
verdrängte das Erinnern, floh in Träume,
und sprach einer davon, spürte ich Zorn.

Ich taumelte durch viele fremde Welten,
im Traum gefangen fand ich keinen Halt,
da flüsterte der Teufel von Erkenntnis,
allein mit ihm bezwang mich seine Kraft.

Die Kette, die mich hält, nenn’ ich jetzt Leine,
und folge wie ein Hund gewohnheitstreu,
manchmal erklingt Musik, dann will ich tanzen,
das war einst schön, jetzt halte ich nur still.

Verstohlen mal ich Bilder auf die Fenster,
von dem was war und niemals mehr so ist,
vielleicht – denk ich dabei – find ich einst wieder
zur Wahrheit und dann fürchte ich mich nicht.

 

 

Sehnsucht

 

Als das Licht langsam schwand,
das Dunkel Dein Auge erschlich,
verspürte ich Wehmut,
so nah kamst Du mir.

Als Dein Atem mich streifte,
meine Zunge Dich fand,
ich küsste die Küsse
in Lippen versenkt.

Als der Morgen dann graute
und ich Ehrlichkeit rief,
verstecktest Du Worte
im Linsengericht.

Als der Abend mich griff,
sich schwärzend ergoss,
fand ich meinen Kummer
im Seitengesang.

 

 

Sehnsuchtsklischee

 

Noch einmal hebe ich im steten Flehen
den Blick zum Mond und hoffe auf den Mann,
ich wäre froher, schaut er mich erst an
und ich könnt tief in seine Augen sehen.

Noch einmal schreite ich mit leisem Sehnen
zum Tor der Welt und hoffe, es geht auf,
das laute Treiben, nähme ich in kauf
und würde still an Häuserecken lehnen.

Noch einmal leben, wie die Winde treiben,
ein süßer Duft vom Fliederblütenbaum,
ich bin bereit, erwache aus dem Traum:
Das Tor ist zu und wird geschlossen bleiben.

 

 

Ausrufungszeichen

 

Schenke mir heute
diesen Mund,
den einen,
der Dir sagt,
wie sehr, sehr!
ich Dich gestern
einst! doch noch liebte.

Dann winde ich
welkende! Blüten
in Deine Träume
voll greller Schatten.

Tränke mir Sinne,
Verwoben! im Trost,
wie einstmals noch,
diese Lippen Dir sagten,
so sagten!
von Liebe
in sündigen Stunden.

Dann frage ich nicht!
fragte ich niemals,
heute! dem Zweifel
entronnen mit Dir!

 

 

 

Liebes-Einmaleins

 

Deine Kirschen genießend
ist die Wolke am Himmel
so sanft wie Dein Haar:
Acht mal vier!

Zersplitternde Sehnsucht,
das Öl Deiner Stimme,
dieser goldene Klang:
Vier mal acht!

Freudig Willkommen,
doch Du bist nicht menschlich
taktest mich nur:
Drei mal zwei!

Umfließen, das willst Du,
doch bleiben wir Freunde,
nun welken die Bohnen:
Zwei mal drei!

Im ehrlichen Wasser
will ich ertrinken,
ein Linsengericht:
Eins!

 

 

Sinnend

 

Zahllose Stunden verbringe ich hier,
reglos, fast traurig, den Stift in der Hand;
sinnend und grübelnd, Figuren bewegend,
phantastisches Spiel, ich hab’ Dich erkannt.

Klare Gedanken, verschwommene Bilder,
Wahrheit und Lüge und noch ein Gedicht;
verzerrte Gefühle, das Chaos erlebend,
im Wechsellicht unscharf erscheint ein Gesicht.

Und so rufe ich Geister und Engel herbei,
mit der Bitte, dies Antlitz fest an mich zu binden;
der Neben wird dichter, verschleiert die Worte,
allein das Gesicht, ich kann's nicht mehr finden.




 

 



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