Die erste Teekesselgeschichte

 

 

 

Heute hat er gekocht. Der Grünkohlgeruch fängt mich ein, als ich heim komme. Die Pfanne auf dem Herd knistert den Zucker um die Kartoffeln braun. "Ich möchte bitte nur Tee", bringe ich errötend hervor. Langsam dreht er sich um: "Das macht doch nichts."

Er war beim Friseur, nun schimmert wieder am Hinterkopf die bläuliche Narbe hervor. Gebogen zieht sie sich fast bis in den Nacken, verliert sich dann schmal. "Starr nicht so hin", bittet er leise. Das Pfeifen des Wasserkessels lenkt uns beide dann ab.

Auf der Wiese zwischen den Wohnblocks hängt Wäsche im Wind. Grüngeblümt beutelt sich verwaschen ein Bettbezug. "Wir sollten mal rausfahren zum See, so wie früher", geht es mir durch den Kopf. Als ich mich nach ihm umsehe, kratzt er gerade den Grünkohl aus dem Topf in den Mülleimer. "Ein schlechter Moment", denke ich und stelle das Radio an.

Im Badewasser löst sich der Tag. Müde schließe ich die Augen und laß den Kopf unter die Wasseroberfläche sinken. Wieder auftauchend sehe ich ihn vor der Wanne stehen. "Willst Du mit rein?", frage ich vorsichtig. Da nickt er und streift seine Kleider ab. Erst als sein vernarbter Kopf in den Schaum auf meiner Brust sinkt, wäre ich lieber alleine.

Sorgsam kämmt er nach dem Bad mein Haar. Mit der linken Hand wische ich den beschlagenen Spiegel etwas frei, erkenne dann sein Gesicht hinter dem meinem. "Zieh Deinen Bademantel an, damit Du nicht kühl wirst", sagt er noch und lässt mich alleine. Nur zögernd trete ich näher an den Spiegel, um Creme unter den Augen zu verteilen.

Im Schlafzimmer sitzt er verkrümmt auf dem Bett. Als er aufschaut, flackert der Schmerz in seinen Augen. "Es geht nicht anders", preßt er hervor. Dann steht er vor mir, der erste Schlag trifft mein Gesicht und schleudert mich an die Bettkante. Kurz brüllt er wütend auf und reißt mich an den Haare wieder hoch. Ich konzentriere mich auf die Notenblätter meiner Gedanken und lasse ihn mit meinem Körper alleine.

Später versuchen wir aneinander geschmiegt einzuschlafen. Sanft kühlt sein Atem meine brennende Schulter. "Die Narbe pocht jetzt nicht mehr", murmelt er dankbar und rutscht noch ein wenig näher.

 

 

 

 

 

 

 

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