Blätterträume

 

Mir steht der Sinn nach Einsamwissen,
dahin gestreckten Blätterträumen
und Klatschmohnschlaf auf weichen Kissen,
will trugbetäubt den Tag versäumen -
an dem Du gehst.

 

Die virtuosen Liebesklänge
verspielten sich im Unsvertrauten
und takteten dann Alltagszwänge
für Zukunft, die wir uns erbauten -
Du dort, ich hier.


Nun geh, ich sehne Trostversprechen
als Schrittbegleiter stummer Stunden,
wenn taubgeschnürte Seelen brechen
hab ich zurück zu mir gefunden -
und bleib alle allein.

 

 

Andersdenken

 

Hoch oben dräuen schwarzgrau Wolkenkrallen,
als wollten sie bald Feld und Flur ertränken
und alle Hoffnung in den Abgrund lenken:
Auch ich kann nur noch fallen, fallen, fallen.

 

Ich fall hinab ins eisige Vergessen,
hör nur noch fern ein Donnergrollen schallen.
Bald werde ich auf öde Felsen prallen
und Schmerzen stimmlos durch die Zähne pressen.

 

Da oben scheint man taub für jede Klage,
zu sehr beschäftigt alles in sich rein zu fressen,
zu egoman, zu feist und wohl bemessen
und sorglos bis zum Ende aller Tage.

 

Doch bin ich etwa anders als die Großen?
Stell ich mich selbst denn oft genug in Frage?
Ich weiß, dass ich nicht aus den Sümpfen rage!
Auch ich: verflucht, verdammt und ausgestoßen.

 

Welch Nutzen hat dies ständig Andersdenken?
Es führt zu nichts als quälenden Neurosen,
begleitet meinen Fall, den bodenlosen,
und will nur meine Seele kränken, kränken.

 

 

Raum

 

Als Du
meine gesenkten
Wimpern in Tau legst,
ziehen Minuten
die letzte Stunde
in verdächtige Länge:

Ein Spiegel,
will mir scheinen,
entwurzelt jederzeit
und mich

und aus den Ecken
streichen grüne Melodien.

Jetzt,
da nicht Milch und Honig
den Blick aufhalten,
brauche ich
endlich
eine Handbreit Raum.

 

 

zeitlos

 

Heute küsst mich die Stille
und ich atme die Stadtluft
ganz ohne das Echo von Dir.

Grau staubt dann doch Erinnerung auf,
verwischt sich erneut im Trüben,
denn dieser Tag verschwendet die Zeit.

Der Geruch verschwiegener Stunden
verwirft meine wirren Gedanken
zum Altpapier unserer Strasse.

Erst im Schlaf türmt sich Weisheit
wellengleich in meine Sehnsucht,
um am Morgen vergessen zu sein.

 

 

Endlichkeit

 

Als Gleichklang sich tropfend ergoss,
verspürte ich Sehnsucht nach Meer:
Dem Rauschen der Wellen,
sich türmenden Wogen,
der tosenden Sturmboe,
denn niemals verblasst dort ein Ton.

Als Ewigkeit träge sich dehnte,
verspürte ich Sehnsucht nach Zeit:
Der Kürze von Tagen,
vergehenden Stunden,
dem Ende des Wartens,
denn einst verblasst auch ein Moment.

Als Endlichkeit sich dann erschloss,
verspürte ich Sehnsucht nach Licht:
Dem Flackern von Flammen,
hell gleissenden Feuern,
den zuckenden Blitzen,
denn scheidend verblasste ich selbst.

 

 

Erdgang

 

Ein Regenschauer kühlte meine Stirnesfalten,
die sich noch rafften in den Schatten,
als nur Dein Sinn mir spielte und verdampfte.

Die Kühlestrauer traf mich tiefer
und riss sich fest in Herzhaut ein;
vernarbt rollt nun mein Stimmzelt weltengleich.

So trotze ich im Mut den Wellenzeiten,
verlassen treibt mein Blick zu Dir:
Es säumen sich die Felder sanft in Farne.

 

 

Geliebte Melancholie

 

So einsam lag der Tag im Schatten
und Trübsal trieb im lauen Wind,
die Sonnenscheibe schien mir blind
und Kummer ließ mich still ermatten.

Im Abendrot versinkt das Schweigen
und Abschied schwingt im letzten Licht,
ein Augenblick, der plötzlich bricht,
dann tanzt der Mond in dürren Zweigen.

Ich will heut keine Träume pflücken
ein Sehnsuchtsmantel hüllt mich ein.
Vergänglichkeit soll bei mir sein
und Traurigkeit mich tief beglücken.

 

 

Nachhall

 

Wie Flieder duftet
erhoben sich die Sterne
zum Takt des Windes.
Blau verrannen Gedanken
durch die frierenden Hände.

Und im Mondschatten
tanzten die weißen Blüten
in weher Stille.
Klangvoll erhellte der Tag
was ich nicht halten konnte.

 

 

Halsbandgedanken

 

Im Zweifelgang des Sinnens fand ich Wahrheit,
erklärte sie in Furcht vor ihr zum Wahn,
verdrängte das Erinnern, floh in Träume,
und sprach einer davon, verspürt' ich Zorn.

Ich taumelte durch viele fremde Welten,
im Traum gefangen fand ich keinen Halt,
da flüsterte der Teufel von Erkenntnis,
allein mit ihm bezwang mich seine Kraft.

Die Kette, die mich hält, nenn ich jetzt Leine,
und folge wie ein Hund gewohnheitstreu,
manchmal erklingt Musik, dann will ich tanzen,
das war einst schön, jetzt halte ich nur still.

Verstohlen mal ich Bilder auf die Fenster,
von dem was war und niemals mehr so ist,
vielleicht denk ich dabei find ich einst wieder
zur Wahrheit und dann fürchte ich mich nicht.

 

 

Als hoffte das Glück

 

Sehnend ist es
in tränenden Fluten
versinkend im Licht.

Schattenmehr tanzt
vor innerem Auge
- Unendlichkeit ruft.

Kerzenlicht brennt.
erhellt diese Stunde
dann bricht uns die Zeit.

 

 

Saiden

 

Bei den schlafenden Möwen
bette ich mich zwischen Schilf,
wiege mich im Gleichklang der Wellen
und höre das Lied ihres Rauschens.

In den Tropfen des Mondes
wispert ein seidener Traum,
hüllt mich in die Laken der Hoffnung
und lässt mich in Sehnsucht erwachen.

 

 

Zeitungsausschnitt

 

Ich habe die Zeitung gelesen,
zuerst suchte ich Horoskope,
mein Sternzeichen ist Antilope,
heut ist da kein Eintrag gewesen.

So wechsel ich zu den Berichten,
dort steht es dann schnulzig geschrieben,
wie Promis sich ständig verlieben,
als Single kenn ich die Geschichten.

Kontakte ist nun mein Begehren,
dort könnte ich finden den einen,
ich lese und muss es verneinen,
tagtäglich muss ich mich belehren.

Kulturteil, wie ich ihn verschmause,
ich blättere zitternd die Seiten,
tagtäglich soll er mich begleiten,
doch ist sie vorbei nun die Pause.

Ich habe die Zeitung gelesen,
doch Nachrichten bräuchten mehr Zeit,
Papierkorb sei Du mir bereit,
es sind doch bloß Seiten gewesen.

Verschufte mich noch ein paar Stunden
und plaudere mit den Kollegen,
das Wetter verspricht morgen Regen,
der Arbeitstag endet verbunden.

Gehetzt eile ich in den Stau,
verbrenne Zigarren wie Liebe,
ersticke mit Wut mein Getriebe,
und kauf unterwegs eine Frau.

 

 

Reisefieber

 

Es rumpeln die Räder, Gedanken umkreisen
daheim oder dort, irgendwo liegt mein Glück.
Ich packte die Koffer um weit zu verreisen,
von Neugier getrieben blieb so viel zurück.

Der Anfang des Weges führt sicher zum Ende,
ein Halt und ein Pfiff und der Wagen rollt fort.
Ich schaue die Landschaft, genieße die Fremde,
ich bin unterwegs und noch lange nicht dort.

Die Heimat zu finden bin ich auf der Reise,
gehalten, getrieben, Genuss und Verzicht.
Den Stimmen gehorchend verneine ich leise,
das Neue erwartend vergesse ich nicht.




 

 

 





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