Nachtgesang (für Phillipp)

 

                

Die Nacht veraschte, doch ich wollte weiter warten

und las erneut die unverwechselbaren Worte:

Es klang wie Schritte in dem totgesagten Garten.

 

Aus allen Ländern schicktest Du mir bunte Karten

und maltest Bilder dieser unbekannten Orte!

Die Nacht veraschte, doch ich wollte weiter warten

 

und las mit Wehmut jede Seite dieser zarten

Bekundung Deiner Liebe von der reinsten Sorte:

Es klang wie Schritte in dem totgesagten Garten,

 

wie ein Versprechen, dass ich mitging auf die Fahrten,

kein Tor der Welt verschlöss sich uns und keine Pforte.

Die Nacht veraschte, doch ich wollte weiter warten,

 

wenn auch die Schatten mittlerweile stumm verharrten

und spöttisch mich ein Blick traf von der Sopraporte.

Es klang wie Schritte in dem totgesagten Garten,

 

aus dem inzwischen drohend-schwarz die Bäume starrten.

Es sind nur Träume, die ich tief im Herzen horte:

Die Nacht veraschte, doch ich wollte weiter warten,

es klang wie Schritte in dem totgesagten Garten.

 

 

Thisbe (Anna)

 

Ach wärst Du Satan mir, so wäre ich Getriebene für Dich!
Wärst Du mein Feuer wäre ich Dein Zunder!
Ich darf nur Orpheusflüstersänge hauchen in Dein Ohr,
es flöhe sonst Dein silberreicher Blick
die sonderbaren Hänge meines Lebens.

Ach wärst Du Thisbe mir, so weidetest Du mich an Hängen:
Ich kniete nieder vor dem Gras, das Dir entwuchs,
doch darf ich mich nur laben an den Klängen
die Deinen Stimmen kühn entflohen,
und trage Dich still bei mir immerzeit.

Nun ist es schwarz und treibsandgleich verschlingt mich
sehnsuchtschwer ein starrer Spiegelblick:
Ich war nur Orpheus für die eine Stunde,
sie sei mir Nachtgesang - und wird niemals bedauert.
Du flohst die Möglichkeit, ich beuge mich
und werde schwinden.

 

 

Abendrotlüfte

 

Im schwindenden Lichte versprechen sich Düfte,
zerstieben in Wolken verperlender Trauben,
vermögen mir all meine Sinne zu rauben,
betörende Küsse der Abendrotlüfte.

Im schwärzenden Nachtsog verschwimmen die Bilder,
zerreißen die Klänge zu strähnigen Tönen,
verwirrrt will ich mich an den Nachhall gewöhnen,
gelähmt scheint die Welt, die Berauschung wird milder.

Im schwelenden Einklang versinken die Stunden,
zermüden Gedanken geronnener Sünden,
noch einmal versuch ich den Duft zu ergründen,
doch Abendrotlüfte sind lange entschwunden.

 

 

Senkblei 

 

 Ich hauchte noch "Hoffnung"
im Wasser versinken
Sagt hörst Du das Rauschen
der Sterne im Wind?

Fahl einsames Leuchten,
es ist so bewegend.
Geh weiter mein Liebster,
der Abend verrinnt!

Und siehe die Treppe,
sie führt in die Täler.
Kein Funke erschleicht sich
die Feuergewalt.

Ich greif' Deine Hände
und fühle das Ende
Du bist eine Licht-
keine Schattengestalt!

Gesagt ist die Wahrheit
geschriebene Worte.
Ich tat was ich tat,
aber urteil gerecht!

Ich hauchte noch "Hoffnung"
und spürte sie wirklich.
Es rauschten die Sterne,
sind Träume denn schlecht?

 

 

Zartsam 

 

Küssend traf mich heut ein Mondstrahl,
erschwindelte Hoffnung im Schwunge
der Lichtgestalt fremder Natur.

Tänzerisch wankten die Sterne,
erwirkten am nachtklaren Himmel
sich Wege durch milchige Strassen.

Kosend erfuhr ich in Lippen
die Leidenschaft, labte mich wohlig
an Deinen versengenden Lenden.

Tauchend entsandte ich Sinne,
die mondesbelebt Dich ergriffen
im schwelenden Glühen der Nacht.

 

 

 Erdgangwege

 

Im Schweigen treibe ich davon,
verlasse diese gülden Strassen,
auf denen einst wir spielten.

Ich koche sorgsam Eidgedanken,
die trostlos in den Köpfen wankten,
und tiefer trafst Du mich niemals.

So koste ich voll klammer Einsicht
von Deiner Seele Einfalt heut',
was sollte ich erwarten?

Geh fort auf diesen Erdgangwegen,
verharre in der Trostgewalt,
ich werde Dich nicht halten.


 

Mondscheinimpression

 

Deine Haut scheint mir in schimmernd' Milch getaucht
und ein Atemhauch, süßer als Frühlingsduft
flieht von Deinen Lippen. Sieh: Mein Blick ist ganz berauscht.

Sanft erschauernd seh' ich Deine Brust sich heben.
und wie ein silbern Band schmiegt sich des Mondes Licht
spielend um die Hüften, als wollte es Dich ganz umweben.

Über die geschwungne Braue streichelt leis' mein Finger Dir
und Funken sprühen durch die Sinne - mein Begehren,
so genießend das Verlangen zu verlängern: Bleib, Moment, bleib hier!

 

 

Von Sonnenfunken und Wahrheit

 

Als Sonnenfunken hell ins Wasser fielen,
das leise strudelnd um die Weiden trieb,
verspielte seichter Wind sich in den Zweigen
und ließ die dürren Wiesengräser wanken.

Als Wolkenstreifen rot in blau sich schmiegten,
der Widerschein des Tages sich ergoss,
entwand sich Dir die Wehmut ohne Tränen,
und ließ Dich neues Wohlgefallen ahnen.

Im Sehnsuchtschweigen dieser warmen Stunden,
vertauchten wir im wesengleichen Sein,
verwebten einen Wunsch in sanfte Träume
und ließen ihn als unsre Wahrheit wachsen.

 

 

Wie die Sterne klingen

 

Wie die Sterne klingen
will ich Dich erwärmen,
doch noch trübt der Nachhall
das tanzende Mondlicht.

So schultere ich den Takt
und lasse die neue Süsse
in Eichenfässern reifen,
bis Nachtschatten fällt.

Wenn kein Pendel mehr schlägt
klärt sich uns der Moment
und dann lauschen wir
den klingenden Sternen.

 

 

Verrinnend

 

Wasserwellengleich schmiegen sich Hände
auf nackte Haut, perlen darüber und halten,
verharren im sanftesten Takt dieses Flusses.

Dann steigt der Wohlklang mit Stimmungsgewalt
durch eine Traumwand, verwebt sich in ihr,
schwelgende Bilder verklingen im Lichtschein.

Nur noch ein Blick durchstreift süße Momente,
Dein zartes Vergehen in wogenden Brüsten
kelterte Sehnsuchtsgelüste für diese Stunden.

 

 

Am Telefon III

 

Am Telefon lauschend verbrachte ich Stunden,
ersann mir die Bilder, die Du mir beschriebst,
ich hörte ganz deutlich, wie sehr Du mich liebst,
wir waren getrennt und doch innig verbunden.

Wir tauchten einander in schillernde Farben,
der Kuss Deiner Lippen traf streichelnd mein Ohr,
gemeinsam beschworen wir Träume empor,
und dann warst Du stumm und die Worte verstarben.

In Dir hatte ich meinen Felsen gefunden,
umbrandete ihn ganz berauscht von dem Glück,
nun nimmst Du stillschweigend das alles zurück?
Am Telefon lauschend verbrachte ich Stunden...

 

 

Der Moment

 

Dieser stille Gedanke
das Knistern von Mondlicht
zärtlich umspielte
Dein Haar meine Haut.

Mein gestürmtes Verlangen
die Sehnsucht nach Liebe
köstlich vertauchte
mein Mund sich in Dir.

Und der Duft Deiner Schenkel
der Drang der Begierde
schwindelnd verzaubert
das Fühlen getauscht.

 

 

Verfälschend treu

 

Erinnern will ich mich an Dich
verneinen das, was von mir wich,
das mit Dir ging, ganz unerfüllt
und lass die Schmerzwand heut verhüllt.

Ein Tanz im Blütenmeer geträumt,
und taumelnd habe ich versäumt
den Duft tief atmend einzusaugen
Konserenluft muss daher taugen.

Doch dennoch schüre ich Gedanken
wie stürmisch wir die Sehnsucht tranken
ich schmecke staubig Deine Lippen,
Dein Diabild werf ich auf Klippen.

Die Luft voll Tau, ich höre Trauer,
obwohl ich keinen Tag bedauer:
im satten Grün, von Lust getrieben
hat Haut auf Haut sich zart gerieben.

Die Junisonne schien so nah,
und träge sah ich, was geschah:
Dass stetig Deine Nähe wich -
Erinnern will ich mich an Dich.

 

 

Abendlicht

 

Die versinkende Sonne
taucht sanft Deine Haare,
rot dräut der Nachtwind
und ich fühle es fast.

Dieser hauchende Kuss
zwischen Gräsern und Weiden,
er war ein Versprechen
in Freiheit für Dich.

Ein silberner Flieger
zieht stolz seine Achten;
im Blütenmeernebel
berührst Du die Haut.

 

 

Küchentisch

 

Nicht einsam erwachen,
genüßlich sich räkeln - neben Dir -
Dein bettschwerer Körper,
ein Kuss träger Lippen,
nur kurz Dich verlassen,
kalt schauert die Duchsche
und später -
am Küchentisch -
erzähle ich Dir von der Liebe.




 

 

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