Ge(h)zeiten

 

Die schwarz gefärbten Winterworte fließen
aus Deinem kalten Antlitz mir entgegen.
Kein Augenaufschlag kann Dich mehr bewegen.
In blinder Wut willst Du Dich mir verschließen.

Die einst verschnürten Angstvisionen sprießen.
Um Antwort bin ich starr entsetzt verlegen.
Mein fahles Zittern scheint Dich zu erregen
und Du die düstre Stunde zu genießen.

Die Totenglocke schlägt dem Traum und findet
fast tänzerisch die Melodie, es windet
sich neu ins Licht, was einst ich doch verdrängt.

Der Abschied naht, da uns nichts mehr verbindet.
Wie schnell das Rosarot der Welt entschwindet,
ein Trugbild nur, an dem mein Herz noch hängt.

 

 

Stund um Stunde

 

Mein Schritt dröhnt laut in diesen Gassen,
die oft zu Zweit wir abgeschritten,
und wie ein Grabtuch sinkt das Licht
mit Trauermacht um mich hernieder,
denn Du bist fort und ich kann es nicht fassen.

Mein Blick schweift leer durch stille Räume,
die wir doch einst mit Leben füllten
und nun mir Gruft statt Heimstatt sind,
verpestet jetzt von Moderdüften,
die mich verfolgen bis in meine Träume.

Mein Blut fließt eisig seine Runde
die Hitzeschauer auszutreiben,
und tiefe Ohnmacht bannt mein Denken
das nur nach Dir sinnt, unaufhörlich
seitdem Du fort gingst, Stund um Stunde

 

 

leise

 

Ich kostete Blüten
und sperrte mich Worten,
die keiner mir sprach.

Auch löste ich Fesseln
im Angesicht dessen,
der niemals mich sah.

Dann tanzte ich Tango
im Rausch einer Stunde
und schwieg starren Schrittes

zu weiteren Zeilen,
im milchigen Morgen
als Tage verstrichen -

wie Träume entgleiten.

 

 

Erdgangwege

 

Im Schweigen treibe ich davon,
verlasse diese gülden Strassen,
auf denen einst wir spielten.

Ich koche sorgsam Eidgedanken,
die trostlos in den Köpfen wankten,
und tiefer trafst Du mich niemals.

So koste ich voll klammer Einsicht
von Deiner Seele Einfalt heut',
was sollte ich erwarten?

Geh fort auf diesen Erdgangwegen,
verharre in der Trostgewalt,
ich werde Dich nicht halten.

 

 

Wie man sich erinnert

 

Und ich tauchte,
gurgelte luftlos im Licht,
sage mir wie
ich die Untiefe fehlte.

Ich atmete kühles Nass,
das die Lungen stillte,
doch dort fand ich nie
einen wie Dich.

Dann pflückte ich Klatschmohn
auf abgemähten Feldern,
diesen einen, der so schnell
verblüht, blass verwelkt.

Was ich damals mir fand
erklärte sich wahrhaft
und schwor sich in Tiefe,
bis Du mir entschliefst.

 

 

Nichtmehrsingen

 

Berufe ich mich noch so sehnend auf die alten Tage,
als sich Zinnoberrot mit Blau gemischt gen Himmel schwang,
die Meeresbrise grüngefärbt in meinen Ohren klang,
so ist’s doch an der Zeit, dass ich dem Farbenspiel entsage.

Im Gesternwissen stelle ich mein Leben nicht in Frage.
So hoch hinauf stieg ich und nun erneut hinab den Hang
erschauernd ob der steilen Stufen und ich fühl mich bang -
ob Mut oder Courage Sinnbild sind, das ich verzage?

Der Abend stieg doch einst in irgendwessem Wasser,
am Uferrand von Dingen hing der Mond verstaubt -
ich lese es und bin für Schönheit längst ertaubt.

Als es mich rührte, übersprach, da wurd ich blasser
und ich versank in diesem fernen Nachtgelingen
bis nun letztendlich ich mich fand im Nichtmehrsingen.

 

 

Bei Tagesanbruch

 

Bei Tagesanbruch glimmen hohle Schatten,
im letzten Nachtlicht blasst der Mond, schon seiner Kraft beraubt,
die fahle Morgenfrische lässt auch mich ermatten,
Vergessenes entringt sich mir verstaubt.

Im Nichtmehrsingen fällt mein Blick auf kahle Äste,
die wie verascht den Wolkenbildern Mahnmal scheinen - starr gereckt,
als wären sie ruinengleich vergraute Schönheitsreste,
Vergänglichkeit, die sich von einst bis heut erstreckt.

Die Mauern meines Spiegelbildes kann ich nicht durchdringen,
es dämmern altbekannte Unausschöpflichkeiten.
In Düsterheit gefangen will die Flucht zum Tag mir nicht gelingen,
ich spüre letzten Lebenswillen mir entgleiten.



 

 

 

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