Ich hätte gern Dein Leichentuch geküsst

 

Ich hätte gern Dein Leichentuch geküsst,
wär rückwärts weiter in den Schlund gekrochen,
wenn nur - Nein, weil? - ich sehe ein:
Ich stand und stehe hier?

Du nicht!

Du hättest jede Blume mir versagt!
Nun pflücke ich den Staub der Sti(e)l(l)e
und sing dem Klatschmohnmond Dein Lied:
"Wie asynchron die Wunder splittern."
Ich bin noch da!

Du nicht.

Wir hätten Schwarz zum Blau gekippt,
um uns ein Farbenrandgefüge
neu zu erfinden? (Du lachst jetzt auch -
- ich grinse eine Träne in den Schlund
und steige aus.

Du nicht.)

Dein Leichentuch,
das hab ich nicht

gesehen
- ? -
nicht geküsst!

 

 

Sehnsuchtsrest

 

 

Totgeborene Gedanken,
eingeschweisst in Bitterkeit,
ziehen kratzend ihre Kreise,
zeigen grauenhafterweise,
Träume, die im Gram versanken,
roh zermahl'n vom Zahn der Zeit.

Trägheit fährt in meine Glieder,
zerrt die Ohnmachtsfessel fest.
Unter Knebeln geifern Stimmen,
angeheizt vom Hoffnungsglimmen,
schweigen halb erstickt dann wieder
und es stirbt der Sehnsuchtsrest.

Trostgelüste mögen ranken -
ich schließ meine Sinne ein.
Dumpf verharre ich im Stillen,
tonlos wartend, ohne Willen,
ausgeliefert dem Gedanken,
dass mein Geist so viel verpasste
eingekerkert in mein Sein.

 

 

Ein lederner Sonntag

 

 

Ein lederner Sonntag, gegerbt und zerrissen,
ich hauche die Trauer in faulige Erde,
die klebrige Luft hängt verschwiegen im Garten,
im aschfahlen Lichtschein verbreitet sich Nebel.

Ich suche nach Blumen, doch fehlen die Farben,
verstummt ist der Wind und bedrückend die Stille,
Im Äther der Sehnsucht versinken die Bilder,
verlernt ist die Sprache, der Tanz ist vorüber.

Verzerrt sind die Töne, ein Echo der Schatten
und Dornengestrüpp überwuchert die Wege,
Ich träume Beginne und fühle das Ende,
verliere die Hoffnung, mich heute zu finden.

 

 

Tagtrauerfragment

 

Manchmal denke ich
einen Weg zwischen Dir und MiR?
ODER:
Manchmal welchblechhütteten wIR
uns das Sternkramsdingens.

Manchmal hungerblütete ich
auf (!) -
und bis - - - ?
und dann:

Manchmal gehst Du.

Selten fragte ich.
Selten lag Dein Arm umschlungen
um meine Einsamkeiten. Selten
waren WiR:

(wirr?)
- - -
fragten uns niemals:
EINANDER!

HuNGer :
Sagtest Du (nicht(?))
(nie-
mals)!

(Ich) träume
HUnger: MEIN
Bauch...
. . . mein BegehrEN

nun farbtöne ich
- und frage
?
MICH
wie es wäre
sattgewesen zu sein
von:
UNS.

Tagtrauerfragmente

 

 

Als wollte er bleiben

 

Vernebelt welkt jetzt das Licht,
im Widerschein trübt sich das Wasser,
dann frösteln die Schatten.

Gestrandet taucht dieser Tag
wie tränende Weiden die Zweige,
als wollte er bleiben.

Entfremdet schmerzt mich mein Blick,
den klärenden Nachtwind im Auge,
zu einsamen Stunden.

Erloschen krümmt sich der Trug
in aschfahl sich windende Träume
und wartet auf Morgen.

 

 

Farben

 

Wenn jegliche Farbe verblasst
und Schatten sich breit macht,
dann war ich wohl da.

Wie schreibt sich noch Trauer,
warum das Vergessen?
Ist das denn nicht kalt?

Farben, ich suche sie noch:
Das Grün hilft mir sehnen
und Ocker stillt Hitze,
manchmal - da tanze ich blau.

 

 

Zwischenzeilen

 

Ein wenig wie Sand
zwischen den Zähnen,
ein schaler Geschmack
und knirschend ist es.

Ein wenig wie Tau
perlt meine Träne,
schauernder Regen
und kalt ist es auch.

Ein wenig wie Trost
schwang Deine Braue,
ein kurzer Moment,
den ich mir erkor.

Ein wenig wie Hohn
klang Deine Wahrheit,
es stockte mein Atem
verschnürt in der Brust.

Ein wenig wie Licht
brachtest du Hoffnung,
nun trübt die Pupille
Dein schweigender Blick.

 

 

Seitengesang

 

Als das Licht langsam schwand,
das Dunkel Dein Auge erschlich,
verspürte ich Wehmut,
so nah kamst Du mir.

Als Dein Atem mich streifte,
meine Zunge Dich fand,
ich küsste mein Leben
in Lippen versenkt.

Als der Morgen dann graute
und ich Ehrlichkeit rief,
verstecktest Du Worte
im Linsengericht.

Als der Abend mich griff,
sich schwärzend ergoss,
fand ich meinen Kummer
im Seitengesang.




 

 

 

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