Kästchendenken

 

Täglich beugte ich den Willen, folgte Regeln,
pflichtgetreu; wurd' nach fremdem Wert gemessen
und verfluchte ihn im Stillen, dieses Weltbild
der Gesellschaft machte mich letztendlich scheu.

Abgekehrt vom Erdenleben, wuchs mein Wille
ungemein; unterjocht wollt ich nicht bleiben,
nicht in's Schicksal mich ergeben, was Moral ist,
selbst entscheiden und nicht einfach stimmlos sein.

Heut' entkomme ich den Zwängen, löse Fesseln,
fühl' mich frei; ungehemmt will ich mich geben,
keiner soll mich mehr bedrängen, mich schematisch
starr vermessen, keine Kästchendenkerei.

 

 

sogar die Raben

 

Verbrannt sind die Felder, der Sommer flieht schnell
vorm Herbstwind und trägt seine Kleider
zu Grabe in Farbe, im Kreiskarusell,
die Wiesen geschmückt im Altweiber.

Der Bach murmelt leise umschlingenderweise
um Schilf und das Moos auf den Steinen,
ein Zugvogel singt heut die vorletzte Weise,
doch glaub mir, ich werde nicht weinen!

Der Sturmwind mag kommen und Schnee mich vergraben,
der Winter schick mir ruhig Vasallen.
Ich find alles schön, auch das Krächzen der Raben:
Verliebten kann alles gefallen!

 

 

Scheinen

 

Einst war ich Mond und legte meinen kühlen Schatten
im Lauf der Nächte schon auf manches kahle Feld,
ich stand am Himmel als der einsam, fahle Held
und schien mit fremdem Licht auf blühende Rabatten.

Du warst mir Sonne, gabst mir Glanz in jenen Stunden,
die uns entfernt und doch verbunden in den Himmel stellten,
als wolltest Du mir meine treue Folgsamkeit entgelten,
und schlugst nur wohlbedacht mir viele tiefe Wunden.

Dann kam der Tag an dem mich Deine Glut verbrannte
und grauer Ascheregen auf die Erde niederfiel
wie oft seitdem hab ich mich wohl gefragt, ob das Dein Ziel
gewesen ist?

Des fahlen Scheins beraubt sah ich das Unbekannte
und ich erschrak und konnte nun die Nacht ausweinen:
Einst war ich Mond, nun kann ich endlich selber scheinen.

 

 

Scheinen (überarbeitet)

 

Als Mond zog ich einst einsam meine Runden,
vom Tag war fremdes Licht nur mir geblieben.
Mein Schicksal war, seit langem festgeschrieben,
das Dasein eines fahlen Vagabunden.

Du Sonne gabst mir Glanz in jenen Stunden,
die uns entfernt und doch verbunden trieben
und schienst mich für die Folgsamkeit zu lieben -
mir war als hätte ich mein Glück gefunden.

Dann kam es, dass mich Deine Glut verbrannte
und Ascheregen auf die Erde fiel,
war das wohl das mir vorbestimmte Ziel?

Des Lichts beraubt sah ich das Unbekannte,
erschrak und konnte doch die Nacht ausweinen:
Einst war ich Mond, nun kann ich selber scheinen.

 

 

Im Rausch der Befreiung

 

Wie beißender Rauch verschnürt es die Kehle,

mein Blick ist getrübt, die Augen voll Tränen,
das Ohr fast betäubt, als kreischten Hyaenen,
mich packt eine Faust und würgt meine Seele.

Ganz spöttisch fragst Du, ob mir etwas fehle,
Dein schleimiger Blick, wie grüne Muränen,
wär ich so wie Du, ich würde mich schämen.
Ich breche jetzt aus: Vergiss' die Befehle!

Du hast mich gequält, dies ist meine Rache,
nach Jahren der Pein, verlass ich Dein Leben,
jetzt bin ich befreit, schau her wie ich lache.




 

 

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